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Jan. 2017

Ein Erlebnisbericht von Hans Schell
Madeira Bergwandern 2013

Sechzehn Wanderfreunde haben vom 4. bis 14. Oktober 2013 eine ganz besondere Wanderzeit erlebt. Die Insel Madeira ist die aus dem Meer aufragende Gipfelregion eines aus 4000 m Meerestiefe aufsteigenden Gebirges, das eine Höhe von über 1800 m über NN erreicht. Und so sieht die Landschaft auch aus: sehr steile Abhänge, an vielen Stellen fast senkrecht aus dem Meer aufsteigend und stark zerklüftet. Das ganze Jahrüber ist das Klima gleichmäßig, 18° C bis 25° C, mit geringen Schwankungen. Die überaus reichhaltige Flora ist z. T. endemisch (nur dortvorkommend) enthält aber auch viele Pflanzen aus aller Welt, die insbesondere von den Engländern, als den früheren Inselbesitzem, vor langer Zeit angesiedelt worden waren. Lilien und Orchideen wachsen dort wie bei uns die Gänseblümchen.

Unser Standquartier hatten wir in Funchal, der quicklebendigen Inselhauptstadt mit südlichem Flair. Wanderfiihrer war Hans-Peter Ritter, ein deutscher Globetrotter, der vor 26 Jahren auf Madeira sesshaft wurde und bei den „Naturfreunde-Madeira" hauptberuflich tätig ist. Er kennt die Insel wie seine Westentasche und hat uns die typischen Besonderheiten nähergebracht: Neben den unterschiedlichen Landschaften und den für uns fremdländischen Menschen, auch die schmackhaften Speisen. (Espada = schwarzer Degenfisch aus 2000 m Tiefe, Espedada= Ochsenfleisch auf kleinen Spießen.) und Trinken (Poncha = Mixgetränk aus Rum und Honig und Aquardente, einem Schnaps aus madeirensischem Zuckerrohr), beides sehr wohlschmeckend, aber heimtückisch in der Wirkung. Den Kaffee gibt es in zahlreichen Zubereitungen.

Es gibt auf Madeira aufgrund des geografischen Profils nur zwei Arten von Wandenmgen: entweder steil bergauf und bergab, mit großen Höhenunterschieden oder fast waagerechte entlang den Levadas, die das Wasser des regenreichen Nordens in den regenarmen Süden bringen (vergleichbar den Waalen im Vinschgau, Südtirol).
Diese Levada-Pfade fließen ganz gemütlich durch die malerische Landschaften, die aber auch an vielen Stellen nur einen halben Meter breit sein können, an hundert Meter senkrecht abfallenden Steilhängen. Die meisten Levadastege sind inzwischen mit Seilen gegen Absturz gesichert.

Bereits am ersten Tag gab es aufgrund einer notwendig gewordenen Terminumstellung eine Hochgebirgswanderung vom Pico do Arieiro über die Flanke des Pico da Torre zum Pico Ruivo. Der Weg war anfangs gut ausgebaut, wurde dann aber immer urwüchsiger, sehr schmal mit steilen Abhängen. Es ging durch eine Landschaft mit herrlichen Ausblicken auf senkrecht eingeschnittene Täler.

Die meisten Teilnehmer bedauerten, dass es über weite Strecken nebelig war. Aber ich war darüber gar nicht unfroh, weil deshalb die Abgründe für mich nicht so klar erkennbar waren und meine Angst vor einem Absturz etwas gedämpft wurde. Eine Besonderheit ist zu berichten: wir haben an zwei Stellen einen Regenbogen gesehen; aber nicht wie gewohnt als Halbkreis sondern als vollkommen geschlossenen Ring, das hatte bisher noch keiner, auch nicht unser Wanderführer gesehen.

Noch abenteuerlicher war die Nordküstenwanderung. Zitat aus dem „Sunflower”-Wanderführer: „Die Nordküste zwischen Boca do Risco (= gefährlicher Pass) und Porto da Cruz ist vielleicht die Quintessenz Madeiras - kein anderer Platz auf der Insel kann es bei Sonnenschein mit der zerklüfteten stolzen Schönheit dieser Landschaft aufnehmen, nur wenige Landschaften auf der Welt kommen dieser gleich”.

Bei einem früheren Urlaub hatte ich diese Wanderung ausgespart, weil der Küstenweg schmal, oft rutschig und ungeschützte Steilhänge von 350 m mit Gefahr verbunden ist, dass ein Fehltritt (z.B.: durch stolpern oder ausrutschen) gleichzeitig der letzte sein könnte. Aber ich habe es trotzdem gewagt und obwohl mir verdammt mulmig zu Mute war, habe ich es nicht bereut. Die Ausblicke waren unvergleichlich schön. Hans-Peter Ritter hat sich sehr bemüht, uns die Schönheiten Madeiras zu zeigen. Wir waren im Botanischen Garten, in der Wallfahrtskirche von Monte mit der Grabstätte des letzten österreichischen Kaisers
Karl I.
In der Markthalle von Funchal (ein unglaublich buntes Angebot an Obst und Gemüse, an Fischen und vor allem an Blumen). Mit dem originalgetreuen Nachbau der „Santa Maria” dem Flaggschiff des Christoph Columbus, haben wir eine Küstenfahrt unternommen und dabei das Cabo Girao gesehen, mit 580 m das zweithöchste senkrecht zum Meer abfallende Kliff der Welt. Wir haben es vorher von oben gesehen und jetzt vom Meeresspiegel aus erleben.

Außer Hans-Peter mit seinem unbequemen Jeep, hat uns nach Gonzalo mit seimem Kleinbus gefahren. Er ist ein junger Mann mitte zwanzig, der von Hans-Peter, den Ausdruck „alles klar" übernommen hatte; aber sonst kein Wort deutsch verstand. Trotzdem hatten ihn alle, ganz besonders die Damen der Gruppe ihn „ins Herz geschlossen”, teils weil er nicht nur sehr umsichtig gefahren ist, sondern auch immer fröhlich und freundlich, sehr aufmerksam und außergewöhnlich hilfsbereit war - und bei jedem Aufenthalt hat, er mit strahlenden Augen mit seiner Freundin telefomerte. Hans-Peter Ritter sind wir sehr dankbar, dass er diese wunderschöne Reise organisiert hat.

Hans Schell


Naturfreunde Madeira, Amigos da Natureza da Madeira, Hans Peter Ritter,  Fon:+351 962 911 678                   
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